Das Dilemma

Prüfungsdruck, Geldsorgen, Angst vor der Zukunft – über die Hälfte der Studentinnen und Studenten in Deutschland klagt über Stress. Das ist ein Ergebnis des diesjährigen Krankenkassen-Reports. Alles nur Gejammer? Oder muss man heute tatsächlich an seine Grenzen gehen, um einen Hochschulabschluss zu bekommen?

Im Rahmen einer Journalismus-Vorlesung, die Redakteure der Stuttgarter Nachrichten für Mediapublishing Studenten der Hochschule der Medien anbieten, haben sich 22 Studierende mit der Frage beschäftigt, wie Studenten heute in Stuttgart (über-)leben.

Sie erzählen multimedial, was sie tun, um ihr Studium zu finanzieren, wie sie leben und warum sogar die tägliche Nahrungsaufnahme zum Problem werden kann. Aber auch die schönen Seiten des Studentenlebens kommen nicht zu kurz. Denn immer noch bleibt doch vielen Studentinnen und Studenten genug Zeit für Hobbys – und kleine Urlaube in der Stadt.

Viel Spaß beim Lesen, Schauen und Hören.

„Die Freiheit bleibt auf der Strecke“

Studienabschlüsse, die in ganz Europa anerkannt werden. Studiengänge, die so aufgebaut sind, dass Studierende problemlos auch über Grenzen hinweg die Hochschule oder das Fach wechseln können. An diesen Zielen wird seit 16 Jahren im Rahmen des Bologna-Prozesses gearbeitet. Nicht nur Hochschullehrer müssen seither ihre Arbeit umstellen. Auch das studentische Leben hat sich durch die Studienstrukturreform verändert, sagt der Sprecher des Deutschen Hochschulverbandes, Matthias Jarosch.

Herr Jarosch, was sind die größten Probleme der Bologna-Reform?

Die als „Jahrhundertwerk“ gepriesenen Umbaumaßnahmen haben aufgrund ihrer administrativen Überregulierung in Deutschland nicht das gehalten, was sie versprochen haben. Bei der studentischen Mobilität, den Studienabbrecherquoten oder der automatischen Anerkennung von Studienleistungen gibt es immer noch mehr Rückschritt als Fortschritt. Die Umstellung auf Bachelor- und Master-Studiengänge ist außerdem nicht gegenfinanziert worden. Mindestens zwei von drei Bachelorabsolventen wollen den Master anschließen, aber nicht alle werden dies tun können.

Wie wirkt sich das alles auf das Studentenleben aus?

Die Inhalte der Studiengänge werden in Module aufgestückelt, nach dem Arbeitsaufwand definiert und in einem genau festgelegten Punktesystem gemessen. Mit Eigeninitiative, eigenständigem Denken und Selbstverantwortung - den Kernelementen des Bildungsauftrages von Universitäten - hat das nur noch wenig gemein. Die sprichwörtliche Freiheit des Studiums bleibt dadurch auf der Strecke. Das wissenschaftliche Studium an einer deutschen Universität droht zu einem Paukstudium zu verkommen und die Studierenden sprichwörtlich zum Hamster im Laufrad zu mutieren.

Wie hat sich das Lernen verändert?

Studierende bemängeln das sogenannte Bulimie-Lernen, bei dem sie sich Lerninhalte innerhalb kürzester Zeit aneignen müssen, um diese bei kleinteiligen Prüfungen umgehend wiedergeben zu können. Ihnen fehlt im Rahmen eng getakteter Stundenpläne weiterhin die Zeit, außeruniversitäre Kompetenzen zu erwerben. Studiengänge so zu komprimieren, dass keine Luft mehr zum Atmen bleibt, ist unvernünftig. Studieren ist mehr als die Jagd nach Punkten.

Was muss sich ändern?

Ohne massive Kurskorrekturen werden die begrüßenswerten Ziele der Studienstrukturreform wie bessere Vergleichbarkeit der Abschlüsse, mehr Mobilität und geringere Abbrecherquoten Makulatur bleiben. Mit Schönrederei ist weder den Lehrenden noch den Lernenden geholfen. An Universitäten – so paradox das zunächst klingen mag – muss wieder studiert werden können und dürfen.

Fragen von Susan Stüber

Die Finanzierung

Ein Studium kostet Geld. Viel Geld. Zwar gibt es staatliche Unterstützung oder Unterhalt von den Eltern, doch oftmals reicht das nicht aus. Wer nicht gerade ein duales Studium absolviert, muss meist selbst noch etwas dazuverdienen. Ein Überblick.

Studentenleben – ein Protokoll

Vorlesungen, Hausarbeiten, Projekte, Nebenjobs – es ist schon ziemlich viel, was in ein Studentenleben passen muss. Oder ist ein großer Teil des Stresses vielleicht selbstverschuldet?

06.50 Uhr Aufstehen! Warum ich so früh aufstehen muss? Da gibt es mehrere Gründe: 1. Es ist schon seit einer Stunde hell. 2. Ich kann eh nicht mehr richtig schlafen und 3. es gibt leider Tage, an denen ich morgens um 8.15 Uhr in der Vorlesung sein muss.

07.15 Uhr Oh nein, meine Augen sind doch noch mal zugefallen, jetzt aber schnell raus aus dem Bett! Duschen, anziehen, Müsli essen - und das alles innerhalb der nächsten 20 Minuten. Für das Styling bleibt mir mal wieder nicht viel Zeit, aber an der Uni kommt es ja nicht so sehr drauf an. Hauptsache, ich schaffe es noch rechtzeitig in die Vorlesung.

08.35 Uhr Da rennt man zur Bahn, ist fix und fertig, und dann hat die auch noch Verspätung. Super, das wird mal wieder knapp. Endlich kommt die Bahn, aber sie ist schon so vollgestopft, dass man das Gefühl hat, gleich keine Luft mehr zu bekommen.

08.50 Uhr Na toll, ich komm schon wieder zu spät in die Vorlesung. Aber da die Hälfte des Semesters zu spät kommt, fällt es gar nicht so auf. In diesem Punkt haben Studenten etwas mit der Deutschen Bahn gemeinsam: Sie kommen selten pünktlich.

08.55 Uhr Boa, ich hab so einen Hunger. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis mein Bauch beginnt, lautstark zu knurren. Wenn ich doch morgens nur mal früher aufstehen würde, dann könnte ich ein Brot mitnehmen. Aber dieser Plan ist in den letzten Jahren täglich gescheitert.

10.00 Uhr Endlich bin ich glücklich und zufrieden. In meiner Hand einen Kaffee und ein Brötchen. Mit dem steigenden Blutzuckerspiegel werde ich in der nächsten Vorlesung bestimmt auch wieder wacher sein. Mit dem Blick auf den Kalender wird mir dagegen ganz schlecht. Wie soll ich das nur alles schaffen? Hausarbeiten, Präsentationen und Vorlesungen vorbereiten und das alles bis morgen. Naja, jetzt geht es erst mal los in die nächste Vorlesung. Ups, ich bin schon wieder fünf Minuten zu spät dran.

10.15 Uhr Für was macht man sich eigentlich so einen Stress? Die Vorlesung ist superlangweilig und der Dozent leiert seine Powerpoint-Präsentation runter. Das hätte ich mir auch sparen und in der Bibliothek für die Prüfung lernen können.

11.15 Uhr Blick auf das Smartphone: noch eine Viertelstunde. Ich muss gleich los ins Büro zum Arbeiten.

12.04 Uhr Im Büro ist ziemlich viel zu tun. Wie soll ich das alles nur in den nächsten vier Stunden schaffen? Oh, ich habe ja ganz vergessen, etwas zu essen. Zum Glück gibt es im Unternehmen Werbegeschenke aus Schokolade und Gummibärchen. Der Zucker wird mich bis heute Abend am Leben halten.

16.04 Uhr Endlich auf dem Heimweg, endlich Zeit, was zu essen zu kaufen. Alle Take-Away-Läden auf dem Weg von der Arbeit nach Hause habe ich schon ausprobiert. Heute wird es mal wieder Chinesisch. Beim Blick in den Geldbeutel muss ich schlucken: Der Inhalt verspricht nur das günstigste Menü, das es auf der Karte gibt. Aber zum Kochen habe ich keine Zeit, und außerdem muss ich dann wieder drei Tage lang das Gleiche essen. Also Augen zu und durch.

17.00 Uhr Schnell die Sporttasche richten und dann für die nächsten zwei Stunden zum Sport. Nach dem ganzen Tag Sitzen brauche ich dringend Bewegung.

19.00 Uhr Nach dem Sport geht es noch auf ein Getränk mit Freunden in den Biergarten. Ein bisschen Entspannung hab ich mir jetzt verdient. Meine Freunde erzählen von ihrer Prüfungsvorbereitung – da fällt mir ein: Ich habe noch gar keinen Blick in die Unterlagen geworfen.

19.50 Uhr Warum kann ich mich nie schnell von meinen Freunden verabschieden?! Morgen ist noch eine Präsentation, das wird wohl mal wieder eine kurzfristige Sache, die in der S-Bahn vorbereitet werden muss. Und bis spätestens 23 Uhr muss ich noch eine Aufgabe an den Dozenten absenden. Da ist ja noch Zeit. Jetzt schalte ich erst mal den Computer an und schaue Serien. Schon bevor ich starte verspreche ich mir, dass ich nur eine Folge gucke…

21.00 Uhr Das hat ja wieder super funktioniert! Jetzt hab ich doch mehrere Folgen gesehen. Damit es keine Nachtschicht gibt, muss ich dringend sofort anfangen.

22.00 Uhr Die Lösung der geforderten Aufgabe wird jetzt keine Glanzleistung mehr, dazu bin ich zu müde. Hauptsache, ich halte die Deadline ein.

22.59 Uhr Ich drücke auf den Knopf: absenden! Puh, gerade noch rechtzeitig geschafft. Jetzt noch schnell die Inhalte für das Referat durchlesen, den Rest mach ich morgen früh fertig.

23.50 Uhr Das Bett ruft! Früher habe ich im Bett noch Bücher gelesen, aber nach dem ganzen Lesen für die Uni kann ich keine Bücher mehr sehen. Also noch ein bisschen im Smartphone lesen, was Freunde und Familie heute so gemacht haben. Gemein, die posten alle Bilder, wie sie in der Sonne liegen und was sie Leckeres gegessen haben.

24.45 Uhr Mir kreisen wieder tausend Gedanken durch den Kopf. Die Prüfung ist schon kommende Woche – und ich habe immer noch nichts gemacht. Ab morgen wird alles anders, versprochen!

Von Susan Stüber

Wer soll das bezahlen?

Wer an die Uni kommt und nichts gespart hat, muss entscheiden, welche Finanzierungsmöglichkeiten in Frage kommen. Eine Geldquelle reicht meistens nicht aus. Die Möglichkeiten:

➦ Eltern

Die Eltern sind ihren Kindern gegenüber gesetzlich verpflichtet (auch bei Volljährigkeit), die Ausbildung bis zu einem ersten berufsqualifizierenden Abschluss zu finanzieren. Somit besteht bei vielen Studierenden eine Unterhaltsverpflichtung der Eltern bis zum Ende des Studiums.

87 Prozent erhalten Unterstützung durch die Eltern. Ein Teil kann das Kindergeld sein. Denn auf Kindergeld haben die Eltern Anspruch, bis das Kind das 25. Lebensjahr vollendet hat. Die Summe ist von der Geschwisterzahl abhängig und liegt zwischen 188 Euro und 219 Euro im Monat. Eine Erhöhung von zwei Euro pro Monat für 2016 ist geplant.

➦ Job

Etwa zwei Drittel der Studierenden haben einen Nebenjob - im besten Fall mit inhaltlichen Parallelen zum Studienfach. Viele Hochschulen und Studierendenwerke bieten eigene Jobbörsen an. Falls Bafög bezogen wird, darf der Studierende allerdings nicht zu viel Geld verdienen, sonst wird der staatliche Zuschuss gekürzt. Die Grenze liegt bei 400 Euro pro Monat oder 4800 Euro im Jahr.

Um das Studium nicht zu vernachlässigen, sollte die Arbeitszeit pro Woche nicht mehr als 20 Stunden betragen. Auch die Krankversicherung sollte man nicht vergessen. Verdient man zu viel, gilt man nicht mehr als familienversichert und muss sich selbst mit einem Studierendentarif bei seiner Krankenkasse versichern.

➦ Bafög

Staatliche Unterstützung bezieht etwa ein Drittel der Studierenden. Der Kredit setzt sich aus zwei Teilen zusammen. Die eine Hälfte ist ein zinsloses Darlehen, die andere besteht aus einem staatlichen Zuschuss. Die maximale Fördersumme liegt aktuell bei 670 Euro pro Monat und ist vom Einkommen der Eltern abhängig.

Zum Wintersemester 2016/17 erhöht sich die Summe auf monatlich 735 Euro. Bafög muss der Student oder die Studentin jedes Jahr beantragen. Das Formular gibt es beim Studierendenwerk. Geprüft werden unter anderem das eigene Vermögen und Einkommen sowie das Einkommen der Eltern.

Fünf Jahre nach dem Ende der Förderung beginnt die Rückzahlung. Bis zu 10.000 Euro bekommt der Staat zurück - in vierteljährlichen Raten. Wer die fällige Summe auf einen Schlag bezahlt oder wer sein Studium besonders schnell oder gut abgeschlossen hat, kann einen Nachlass bekommen. Weitere Infos »

➦ Studienkredit

Ein Studienkredit ist nicht an eine Sicherheit gebunden wie es bei normalen Krediten üblich. Die Auszahlung erfolgt monatlich in Teilsummen. Nach einer Karenzzeit sind Zinsen zwischen ein und neun Prozent fällig. Die Belastung kann dadurch sehr hoch sein, genauso wie der Schuldenberg, der entsteht. Nur sechs Prozent der Studierenden nehmen Bildungs- oder Studienkredite in Anspruch.

Die Unterschiede sind groß. Ein Wissenskredit bei der KfW etwa hat einen Sollzins von 3,84 Prozent. Die monatliche Kreditsumme kann dort zwischen 100 und 650 Euro betragen. Bei 6 Semestern Studium wäre das eine Darlehenssumme von bis zu 23.400 Euro. Mit Zinsen müssen - je nach Karrenzzeit und Rückzahlungszeitraum - rund 10 Prozent mehr zurückgezahlt werden.

➦ Stipendium

Anders als beim Bafög oder Studienkredit ist das Geld hier ein Geschenk. Rund vier Prozent der Studenten haben das Glück, ein Stipendium zu erhalten. Ein Notendurchschnitt von 1,0 ist dafür nicht unbedingt notwendig. Jede Stiftung stellt ihre eigenen Anforderungen. Gute Leistungen sind erwünscht, aber oft wird genauso auf ehrenamtliches und soziales Engagement sowie auf ein ansprechendes Motivationsschreiben geschaut. Die Bewerbung erfolgt entweder durch den Professor oder durch Eigeninitiative.

Es gibt verschiedene Stipendienarten, unter anderem für den Lebensunterhalt, Auslandsstipendien oder auch zur finanziellen Unterstützung während der Abschlussarbeit. An der Hochschule der Medien und der Uni Stuttgart gibt es das sogenannte Deutschlandstipendium. Es wird Mitte des Semesters ausgeschrieben und zunächst für ein Jahr vergeben. Die monatliche Fördersumme beträgt 300 Euro. Auf dieser Webseite ist eine umfassende Suche möglich »

Von Jessica Costa Salgado

Ungewöhnliche Nebenjobs: „Ich habe im gefährlichsten Raum gearbeitet“

Johannes Störkle (28) studierte Maschinenbau an der Universität Stuttgart. Er hat mehrere Male nebenbei in einem Kernkraftwerk gearbeitet.

Wie bist du auf die Idee gekommen, in einem Kernkraftwerk zu arbeiten?

Ein Verwandter von mir war Maschinenbauingenieur in dem Kernkraftwerk. Das hat mich schon immer fasziniert, und ich wollte wissen, was er im Kernkraftwerk macht und wie es funktioniert. Er hat dann den Kontakt hergestellt. Es läuft viel über Mund-zu-Mund-Propaganda, aber es gibt auch einige Zeitarbeitsfirmen, die Jobs im Kernkraftwerk anbieten. Diese Jobs sind sehr beliebt, weil sie so gut bezahlt werden.

Was waren deine Aufgaben?

Ich habe in dem Raum gearbeitet, in dem der Reaktor steht. Es ist der gefährlichste Raum - maximal 50 Personen dürfen sich dort aufhalten. In einer vierwöchigen Revisionsphase des Kernkraftwerkes kommen die verschiedensten Arbeitsgruppen, um dort Werkstoffe zu prüfen, Reinigungsarbeiten durchzuführen, den Reaktor auf Risse zu untersuchen. Ich war Assistent des Drywell-Koordinators. Das heißt, mein Job war es, festzuhalten, wie viele Personen für welche Arbeit gerade in diesem Bereich sind und wie lange. Dafür habe ich mit einem Kollegen in einer Zwölf-Stundenschicht Statistik geführt. Waren zu viele Personen im Raum, mussten wir die unwichtigsten Arbeiter rausschicken, bis wieder eine unkritische Menge an Personen im Raum war.

Wie ließ sich der Job mit dem Studium vereinbaren?

Die Arbeitszeit lag meist zwischen den Prüfungen. Einmal musste ich aber auch eine Prüfung ausfallen lassen und zu einem anderen Zeitpunkt nachschreiben. Nach meinen ersten vier Wochen wollte ich eigentlich nicht noch einmal im Kernkraftwerk arbeiten. Die Bezahlung ist zwar gut und es gibt Gefahrenzulage, Wochenendbonus und Nachtarbeitszuschlag, aber der Job ist sehr langweilig. Man hat nicht das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun, und es bringt einem nichts für die Zukunft. Es kann sogar in manchen Fällen schlecht für die Karriere sein, wenn im Lebenslauf steht, dass man für ein Kernkraftwerk gearbeitet hat. Dazu kommt die radioaktive Strahlung. Es wird zwar überwacht, dass diese unter dem gesetzlichen Grenzbereich bleibt, aber ein komisches Gefühl hat man trotzdem. Einmal kam es in einer Schicht meines Kollegen sogar zu einem kleinen Zwischenfall. Ich habe dann aber noch ein paar Mal als Drywell-Koordinator gearbeitet.

„Unter der Woche nur Nachtflüge“

Hannah Weisenberger (23) studiert im ersten Semester Luft und Raumfahrttechnik an der Universität Stuttgart. Nebenbei arbeitet sie als Flugbegleiterin (Symbolbild).

Wie bist du auf die Idee gekommen, Flugbegleiterin zu werden?

Ich bin ausgebildete Pilotin in Wartezeit. In der Ausbildung wurde uns immer wieder gesagt, dass es von Vorteil ist, auch die Sicht des Begleitpersonals kennenzulernen. Deshalb habe ich mich bei einer Fluggesellschaft beworben.

Was sind deine Aufgaben?

Im Prinzip bin ich einfach nur eine Servicekraft mit zusätzlicher Qualifikation. Wir versuchen, den Gästen den Flug so angenehm wie möglich zu machen, aber wir sind auch für den Notfall ausgebildet. Bevor man Flugbegleiterin wird, muss man eine sechswöchige Schulung machen. Man lernt das Bedienen der Gäste ebenso wie das Verhalten bei einem Brand im Flugzeug. Gerade der Umgang mit Gefahren und schwierigen Situationen wird geschult.

Wie lässt sich der Job mit dem Studium vereinbaren?

Ich versuche, am Wochenende zu fliegen oder unter der Woche nur Nachtflüge zu machen. Langstrecke lässt sich besser mit dem Studium kombinieren als Kurzstrecke, weil man nur einen Flug hat und nicht mehrere Flüge mit vielen Unterbrechungen, die nicht voll bezahlt werden. Falls es aber wichtige Termine mit Anwesenheitspflicht an der Uni gibt, dann muss ich unter Umständen dafür Urlaub nehmen.

„Ich bin frei in dem, was ich mache“

Rebecca Notter (21) studiert Mediapublishing an der Hochschule der Medien in Stuttgart und arbeitet nebenbei beim Radio.

Wie bist du auf die Idee gekommen, beim Radio zu arbeiten?

Ich wollte nach dem Abitur nicht gleich studieren, deshalb hab ich ein Freiwilliges Soziales Jahr bei der Jugendstiftung Baden-Württemberg und der Jugendpresse Ba-Wü angefangen. Die Jugendpresse ist ein Verein für junge Medienbegeisterte, und sämtliche Posten sind mit Freiwilligen besetzt. Als mein FSJ dort letzten August zuende war, hat mich die bisherige Verantwortliche für das Radio angesprochen, ob ich ihren Posten übernehmen will. Ich war nicht sofort begeistert, weil ich keine Ahnung von Radiomachen hatte. Aber letztendlich bin ich froh, dass ich ja gesagt habe.

Was sind deine Aufgaben?

Ich bin die Redaktionsleiterin von „Jugendpresse on Air“, so heißt unser Lernradio. Wir sind ein Haufen junger Leute, die Lust aufs Radiomachen haben. Als Redaktionsleitung organisiere ich das Ganze, manage die Kommunikation untereinander und nach außen, betreue also die Webseite, Facebook, E-Mails. Und ich moderiere die Sendungen. Wir senden einmal im Monat eine Stunde im freien Radio Stuttgart. Wir sind kein professionelles Radio, sondern ein lockeres Grüppchen, ein Lernradio eben. Hier kann man ausprobieren, ob Radio zu einem passt. Bisher sind wir einige, aber mein Ziel ist es, eine feste Redaktion aufzubauen. Dann kommt noch eine neue Webseite dazu und eine Menge Workshops. Ich hab einen Haufen Ideen, was man Neues machen könnte.

Wie lässt sich der Job mit dem Studium vereinbaren?

Es ist manchmal schon viel, aber dann denke ich, dass ich sonst vielleicht nur zuhause rumsitzen und in den Fernseher starren würde. Da bin ich dann lieber um 22 Uhr noch mit meiner Radiotruppe zusammen. Die Arbeit ist ein Gewinn: von neuen Freunden, Kollegen, Erfahrungen und Erinnerungen. Ich bin auch ziemlich frei in dem, was ich mache. Wenn eine Idee mal daneben geht, ist es kein Weltuntergang, und ich hab was daraus gelernt. Den typischen Studenten-Job im Büro hab ich übrigens auch noch. Ich arbeite zusätzlich bei der Württembergischen Landesbibliothek.

„Ich werde für mein Hobby bezahlt“

William Conrad (Jahrgang 83) studierte Jura in Tübingen und arbeitet nebenbei als Sportjournalist.

Wie bist du auf die Idee gekommen, Sportjournalist zu werden?

Ich war in der Schülerzeitung aktiv und wurde gefragt, ob ich nicht die Homepage eines Sportvereins redaktionell betreuen könnte. Dabei hatte ich mit den Zeitungsredakteuren Kontakt, und irgendwann wurde ich gefragt, ob ich nicht Lust hätte als freier Mitarbeiter zu arbeiten. Und so mache ich das schon seit neun Jahren.

Was genau sind deine Aufgaben?

Ich besuche regelmäßig die Heimspiele der Mannschaft, über die ich berichte, und telefoniere mit den Verantwortlichen wie Trainern oder Abteilungsleitern für Geschichten und Vorschauen auf die kommenden Spiele. Und ich betreue noch eine komplette Fußball-Liga, das heißt, ich gehe jede Woche zu einem Spiel und schreibe darüber einen Bericht. Außerdem telefoniere ich mit den Pressewarten der anderen Vereine. Zudem sollte ich natürlich immer über Wechsel und Gerüchte informiert sein und darüber Exklusivberichte schreiben.

Wie lässt sich der Job mit deinem Studium vereinbaren?

Das ist zum Teil schwierig. Zwar spielt sich der Sport meistens am Wochenende ab, aber die Vorschauen stehen immer unter der Woche an. Und da die Trainer auch berufstätig sind ist es nicht immer so einfach, Zeit zu finden, mit ihnen zu telefonieren. Und schreiben muss ich das Ganze ja auch noch. Ich brauche also ein gutes Zeitmanagement, gerade wenn es Richtung Abschlussprüfungen geht. Aber um ehrlich zu sein: Ich wäre an den Wochenenden eh auf den Sportplätzen oder in einer Handballhalle. Jetzt werde ich dafür sogar noch bezahlt.

Zusammengetragen von Christina von Roth und Peter Stuhr

Die Wohnsituation

Wohngemeinschaften, Studentenwohnheime oder vielleicht sogar die eigene Bude – es gibt zahlreiche Möglichkeiten für Studenten, unterzukommen, doch der Platz in den Unistädten ist begrenzt. Da sind oftmals Durchhaltevermögen und Flexibilität gefragt.

Odyssee eines wohnungssuchenden Studenten

Zwei Zimmer, Küche, Bad: 46 Quadratmeter Wohnfläche teilt sich Felix (23, Name geändert) heute mit einer älteren Dame. Der Besitzer wohnt im Stockwerk über der Wohngemeinschaft. „Wohnungssuche ist immer Glückssache“, sagt Felix und blickt sich in seinem Schlafzimmer um.

Die meisten Möbel waren bereits da, als er vor zwei Jahren einzog. Die kleine Einbauküche und das Badezimmer nutzt er gemeinsam mit seiner Mitbewohnerin, die allerdings nur wenige Tage im Jahr in Stuttgart ist. Wenn ihr Zimmer leer steht, wird es zu Felix’ Wohnzimmer umfunktioniert.

Zusagen kommen erst sechs bis acht Wochen vor Studienbeginn

Als Felix im August 2013 die Zusage der Hochschule der Medien (HdM) bekommt, ist die Freude groß. Doch auch der Druck wächst: Etwa sechs Wochen bleiben dem künftigen Studenten, um eine Wohnung im 200 Kilometer entfernten Stuttgart zu finden. Felix kommt aus Freiburg. Mal eben spontan eine Wohnung besichtigen, ist schwierig.

HdM-Studenten durchlaufen verschiedene Bewerbungsverfahren. Eine endgültige Zusage erhalten sie in der Regel sechs bis acht Wochen vor Studienbeginn. Zu diesem Zeitpunkt sind die begehrten Plätze in den Studentenheimen bereits rar. Zwischen 257 und 290 Euro warm kostet eines der 202 Einzelzimmer im Straußäcker I.

Das Studierendenwerk Stuttgart empfiehlt, sich bereits im März zu bewerben und die Immatrikulationsbescheinigung nachzureichen. Vor allem zum Wintersemester ist der Andrang groß. Mehr als 6000 Erst- bzw. Neueinschreiber gibt es im Wintersemester 2013/14 in Stuttgart – viele aus anderen Städten.

Das bekommt auch Felix zu spüren. Seine Finger sind schnell wund vom Tippen, die Augen müde vom Hoch- und Runterscrollen der Websites – Hunderte von Anzeigen durchforstet er auf der Plattform wg-gesucht.de, unzählige Anfragen sendet er an Vermieter und an das Studentenwerk. Acht Wohnungen möchte er besichtigen.

Es erfordert viel Planungsgeschick, alle Termine unter einen Hut zu bekommen. Damit er nicht von Besichtigung zu Besichtigung hetzen muss, legt er maximal drei Termine auf einen Tag. Drei Mal fährt er wegen einer Wohnung nach Stuttgart. „Im Nachhinein waren nur zwei der acht Wohnungsbesichtigungen normal“, erinnert sich Felix: die seiner jetzigen Wohnung und einer WG in Untertürkheim.

Beim Aufreißer will Felix nicht wohnen

Bei einer WG-Besichtigung in Sonnenberg wollte er am liebsten auf dem Absatz kehrt machen. Ein potenzieller Mitbewohner schüttet Felix noch an der Haustür sein Herz aus: Seine Frau habe ihn verlassen, er habe seinen Job verloren und sei gerade auf Arbeitssuche. „Gleichzeitig erzählte er mir, wie gerne er auf Partys geht und dort erfolgreich junge Frauen aufreißt. Anschließend nimmt er sie mit zu sich nach Hause”, sagt Felix. Keine Option für den 23-Jährigen.

Wenig später findet sich Felix zwischen zwanzig anderen Wohnungssuchenden in einem 10-Quadratmeter-Zimmer eingequetscht wieder. Unter ihnen: der WG-Mitbewohner, der gar nichts von der Besichtigung wusste. 300 Euro sollte das Zimmer kosten.

Wieder andere Besichtigungen sind von Studentenverbindungen organisiert. „Aber in den Wohnungsbeschreibungen verstecken die meisten diese Info. Wenn man partout keine Lust hat, einer Studentenverbindung beizutreten, macht man manche Termine ganz umsonst aus”, sagt Felix noch immer verärgert. „Die Verbindungstypen selbst sind nett”, erinnert er sich. Er könne es ein halbes Jahr ausprobieren und dann über einen Beitritt entscheiden. Das hieße aber: Nach sechs Monaten erneut zwischen Wohnungssuche und Studentenverbindung wählen. Keine Option!

Für 38 Euro pro Nacht ein Zimmer im Studentenhotel

Und so hat Felix zwei Wochen vor Studienbeginn noch immer keine Wohnung. Er mietet für 38 Euro pro Nacht ein Zimmer im Studentenhotel. Dort leben vor allem ausländische Studenten und Gastdozenten in Wohngemeinschaften zusammen. Felix‘ Zimmer ist zwar klein, hat aber alles, was man als Student braucht: Bett, Schrank, Schreibtisch und WLAN.

Seine Wäsche kann er im Waschraum waschen, die Gemeinschaftsduschen sind sauber. Die Aufenthaltsdauer verlängert er Tag für Tag. Bis das Volksfest am Cannstatter Wasen beginnt. Plötzlich ist alles ausgebucht. Felix muss ausziehen und steht mit seinen Koffern auf der Straße.

„Glücklicherweise habe ich am selben Tag noch meine Wohnung gefunden“, sagt Felix. Wohnungssuche ist eben immer Glückssache.

Demnächst absolviert Felix sein Praxissemester in Hamburg. Danach beginnt die Odyssee von vorne.

Aufgezeichnet von Alina Breunig und Alexandra Polic



Die Versorgung

Mensa, Cafeteria, Pizzeria, Bar – zwar gibt es einige Möglichkeiten, auf dem Uni-Campus in Vaihingen satt zu werden. Studenten und Mitarbeiter sind aber trotzdem unzufrieden mit den Öffnungszeiten, dem Preis-Leistungs-Verhältnis und der Auswahl. Ein Überblick.

Die Mensa

Die günstigste Art, seinen leeren Magen zu füllen, ist das Mensa-Essen. Zur Universität liegt sie nicht weit, Studenten der Hochschule der Medien (HdM) allerdings müssen sich beeilen, wenn sie wieder rechtzeitig in der Vorlesung sitzen wollen.

„Ohne einen Sprint hin und zurück reicht die Zeit zum Mittagessen nicht aus”, sagt Julia (26), die an der HdM Mediapublishing studiert. Die Mensa wird vom Studierendenwerk Stuttgart betrieben. Studenten schätzen sie, weil die Auswahl und Abwechslung an Gerichten groß ist, und die Preise studentenfreundlich. Für ein Schnitzel üblicher Größe mit Pommes und Soße fallen drei Euro an. Nicht-Studierende zahlen etwas mehr.

Selten gut, meist eher durchschnittlich, oft auch kaum genießbar

Das größte Problem der Mensa ist nach Meinung der Studenten aber die mangelnde Qualität, die stark schwankt. Selten ist das Essen gut, meist eher durchschnittlich, oft auch kaum genießbar. Und wer zwei Mal drei Euro für ein Schnitzel, das er nicht hinunter bekommt, ausgegeben hat, der spart letztendlich doch nichts.

„Ich erwarte für so wenig Geld zwar kein Gourmet-Gericht, aber dass ein gewisser Mindeststandard eingehalten wird, sollte doch machbar und selbstverständlich sein”, sagt zum Beispiel der 23-jährige Luft- und Raumfahrttechnik-Student Jonas. Auch dass nur bis 14.15 Uhr Essen serviert wird, stellt für Studenten ein Problem dar. An der HdM beginnt die Mittagspause zum Beispiel erst um 13.15 Uhr.

Mensa online »

Die S-Bar

Die S-Bar liegt für HdM-Studenten zwar näher, trotzdem wird sie nicht so häufig frequentiert. Der Grund: das schlechte Preis-Leistungs-Verhältnis. Studenten klagen über hohe Preise, mangelnde Abwechslung und Qualität sowie zu kleine Portionen. Belegte Brötchen kosten 1,60 Euro, warme Gerichte schon 3,90 Euro (für Spaghetti Bolognese) oder 4,90 Euro (Geschnetzeltes).

2015 gab es deshalb schon einen S-Bar-Boykott, viel geändert hat sich dadurch jedoch nicht. Laut Betreiber liegen die höheren Preise vor allem daran, dass die S-Bar nicht vom Studentenwerk unterstützt wird. Was den Studenten auch stinkt: Ab 16 Uhr und am Wochenende gibt es in der S-Bar nichts mehr zu kaufen. „Und das, obwohl bis 19 Uhr und länger Vorlesungen gehalten werden und samstags ganztägige Seminare stattfinden”, sagt Christiane (22), eine Informationsdesign-Studentin.

Alternativen

Mehrere Restaurants und Fast-Food-Ketten bieten Alternativen zu Mensa und S-Bar. Unter anderem gibt es eine Pizzeria sowie ein Lokal, das vor allem Flammkuchen, Burger und verschiedene Fleischgerichte anbietet. „Das Essen dort ist superlecker, die Preise aber für Studenten zu hoch”, sagt Christina (27) aus dem Mediapublishing-Studiengang. Zwar bieten beide Restaurants einen Mittagstisch an, aber 17 Euro für ein Fleischgericht und 10 Euro für Vegetarisches können sich die wenigsten Studenten leisten.

Ein weiteres Unternehmen auf dem Campus bietet vor allem Wraps und Smoothies an und wird ebenfalls alternativ zu Mensa und S-Bar genutzt. Studenten loben vor allem die Qualität. „Die Wraps sind klasse, es gibt verschiedene Füllungen und bio sind sie auch”, meint die 25-jährige Celina, die ebenfalls Mediapublishing studiert. Allerdings seien die Preise ab 5 Euro auch hier zu hoch, um regelmäßig dort zu essen.

Außerdem sind auch bei diesen Alternativangeboten die Öffnungszeiten ein Problem. Wraps bekommt man nur bis 16 Uhr, die Pizzeria macht von 15 bis 18 Uhr Mittagspause, hat aber dafür Samstag und Sonntag geöffnet. Studenten, die bis abends Vorlesungen und Seminare haben, gehen also auch hier leer aus. Das Burger-Restaurant öffnet täglich erst um 17 Uhr.

Alternative Versorgung: Verwenden statt Verschwenden

Foodsharing soll zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Lebensmittel vor dem Wegwerfen retten – und unter anderem Studenten kostenlos mit Essen versorgen.

Teilen ist ein Trend – vor allem unter Studenten. Sie teilen sich Wohnungen und Autos und schlafen im Urlaub auf der Couch fremder Menschen (Couch-Surfing oder AirBnB). Nur logisch, dass auch Foodsharing immer beliebter wird.

Dabei ist Foodsharing, auch Lebensmittelretten genannt, gar keine studentische Erfindung, sondern ein Phänomen, das sich in Deutschland in den letzten Jahren etabliert hat. „Taste the Waste” nennt sich der Film, mit dem alles begann. Der deutsche Filmemacher Valentin Thurn dokumentierte 2011 die Lebensmittelverschwendung rund um die Welt. Mithilfe einer Online-Tauschbörse für Lebensmittel wollte er versuchen, dieser Wegwerf-Kultur ein Ende zu setzen.

Die Deutschen werfen jährlich Lebensmittel im Wert von 22 Milliarden Euro weg

Schnell und einfach sollte die Tauschbörse funktionieren und jährlich Tausende Kilo Lebensmittel (und damit auch einen großen Batzen Geld) vor der Mülltonne retten. Die Deutschen werfen jährlich Lebensmittel im Wert von 22 Milliarden Euro weg. So steht es auf der Foodsharing-Seite im Internet.

Das Prinzip ist simpel: Wer zum Beispiel kurz vor dem Urlaub noch verderbliche Lebensmittel im Kühlschrank hat, kann über die Plattform schnell und unkompliziert Abnehmer für das Essen finden.

Die Abnehmer holen das Essen kostenlos ab – oder verabreden sich gleich zum gemeinsamen Kochabend mit anderen. Das ist ganz nach dem Geschmack der Studenten: Geld sparen und Gleichgesinnte treffen.

Nicht nur Privatpersonen, auch Betriebe wie zum Beispiel Bäckereien können ihre überflüssige Ware ins Netz stellen. In diesem Fall legen die Foodsaver (Lebensmittelretter) regelmäßige Abholtermine fest. Das kann ein bis zwei Mal wöchentlich sein oder sogar jeden Tag, je nach anfallender Menge und Größe des Ladens.

Spricht man mit aktiven Foodsaver über das Prinzip Lebensmittelretten, relativiert sich das Bild wieder ein wenig. Denn das Essen ist zwar kostenlos, aber es kostet eben auch viel mehr Zeit, seine Lebensmittel an verschiedenen Orten abzuholen, als sie alle auf ein Mal im Supermarkt zu kaufen. Außerdem bekommt man über Foodsharing nie alle Zutaten, die man vielleicht braucht.

Dennoch ist die Foodsharing-Idee ein Erfolgskonzept: Seit dem Start 2012 wurden schon 2,4 Millionen Kilogramm an Lebensmittel gerettet, die sonst in den Müll gewandert wären. Die offizielle Gemeinschaft zählt knapp 10 000 ehrenamtliche Lebensmittelretter und mehr als 1813 Betriebe, die kooperieren.

Auch auf dem Campus Vaihingen ist Foodsharing angekommen. Jeden Samstag- und Sonntagmorgen holt eine engagierte Gruppe von Studenten die Waren einer Bäckereien vom Vortag ab und verteilt diese dann vor dem Ökumenischen Zentrum auf dem Campus.

Oft warten schon 20 bis 25 Leute um 10 Uhr morgens mit ihren Taschen, wenn die Helfer mit den gelben Brotkisten ankommen, voll mit Backwaren, die spätestens am Abend zuvor in den Bäckereien gebacken wurden und sonst weggeworfen worden wären. Meist reichen die Backwaren, um mit der ganzen WG ein großes Frühstück zu veranstalten.

TIPP

Auf der Homepage foodsharing.de finden Interessierte zudem Tipps, wie man seine Einkäufe plant, um keine Lebensmittel wegwerfen zu müssen. Denn so spart man auch Geld.

Footsharing Ratgeber »

von Mirjam Höschl und Martina Gorniak

Der Ausgleich

Geld, Essen und eine Bleibe sind nicht alles, was Studenten zum (Über-)Leben brauchen. Nicht umsonst heißt es, die Studentenzeit sei die schönste Zeit im Leben. Oder?

„Studenten brauchen einen Antrieb“

Interview mit Erik Sturm, der 2012 neben seinem Studium das Kunstprojekt LOTTE mit auf die Beine gestellt hat.

Für schöngeistigen Input sorgt in Stuttgart das Projekt LOTTE (Land Of The Temporary Eternity – Land der begrenzten Ewigkeit). Die Eigeninitiative von Künstlern, Wissenschaftlern und Studenten möchte Kunstformen neu denken und eine Plattform für disziplinübergreifende Diskussionen und Experimente bieten. Seit 2012 befindet sich LOTTE (Willy-Brandt-Straße) in Sichtweite der Staatsgalerie und inmitten der Baustelle von Stuttgart 21. Erik Sturm (*1982) ist Initiator und Leiter des Projektraums.

Wie überlebt ihr mit LOTTE?

Wir als Privatpersonen überleben mit Geld, das wir hier nicht verdienen, deshalb steckt viel Herzblut in der LOTTE. Finanziert wird LOTTE vom Kulturamt Stuttgart und dem Land Baden-Württemberg und von unseren Fördermitgliedern und verschiedenen Hochschulen. Wir sind ein gemeinnütziger Verein, also wir wirtschaften nicht, was ein großartiger Luxus ist. Insofern sind wir nicht gezwungen, uns ökonomischen Interessen unterzuordnen und das ist ein riesengroßer Vorteil. Man muss aber dazu sagen, dass es viel Arbeit macht, so eine Förderung zu bekommen. Das ist sehr langwierig und erfordert ein gutes Konzept und einen guten Umgang mit Geld.

Wie werden Studenten eingebunden?

Jeder, der Lust und Interesse hat und ein kritischer Kopf ist, ist bei uns willkommen. Uns interessieren gute Ideen von jungen tüchtigen Kulturschaffenden und das fördern wir - sowohl Ideen, als auch Mitarbeiter. Wobei wir teilweise sehr lange prüfen, ob und wie das passt.

Wir waren alle mal Studenten, das Projekt geht ja nun schon 3 Jahre, deswegen sind einige auch schon fertig.

Warum habt ihr so einen Schritt gewagt?

Es hat sich so ergeben, wir fanden, dass es Zeit ist für so ein Projekt. Wir haben erst mal nicht an ökonomische Gründe gedacht, sondern auf unser Gefühl gehört. Für das Studentenleben war das zwar eine zusätzliche Belastung, aber auch eine große Bereicherung. In erster Linie haben wir die Lücke an Ausstellungsmöglichkeiten gesehen. Einen Ort wie LOTTE gab es vorher in Stuttgart nicht, deswegen haben wir es gewagt. Alle Teammitglieder eignen sich dadurch auch eine Qualifikation für später an.

Um zu überleben braucht man Publikum…

Das hängt davon ab welches Überleben gemeint ist, das Ökonomische oder das Geistige? Natürlich braucht man als Student Kohle, aber darüber hinaus noch viel mehr. Man benötigt eine Motivation, einen Antrieb für etwas. Es ist wichtig, dass man ein Interesse an etwas hat und daran glaubt. Wenn das der Fall ist, muss man hartnäckig bleiben.

Was treibt euch an?

Ein Bedürfnis, Interesse, Neugier, Spaß und Erfahrungen. Und dann natürlich die Anfragen von unterschiedlichsten Leuten und viele tolle Ideen. Es macht Spaß mit unterschiedlichen Menschen zu arbeiten, die gute Ideen haben.

Ist das Subkultur?

Boah schwierig, also Subkultur bewegt sich abseits der Hochkultur, also alles was eben nicht aus ökonomischem Interesse sondern aus eigenem Interesse entsteht. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob LOTTE zur Subkultur gehört, dafür müsste man diesen Begriff genau definieren, aber ist ja auch egal, wir machen uns über solche Kategorisierungen keine Gedanken.

Was seid ihr dann?

LOTTE versteht sich als Ort des Scheiterns, als Möglichkeitsraum und groß angelegtes Experiment. Wir möchten jungen Kulturschaffenden die Möglichkeit geben, sich auszuprobieren und ihre Ideen der Öffentlichkeit zu präsentieren. Dabei gibt es keine Einschränkung der Disziplin, wir sind prinzipiell erst mal an allem interessiert. Vor allem an den Baden-Württembergern, aber auch an Überregionalem.

Ihr habt einen Mietvertrag bis 2017. Was ist danach?

Darüber denken wir gerade nach. Es gibt seitens der Vermieter eine Option auf Verlängerung des Mietvertrages und unsererseits noch viel Ideen, die wir gerne zu Ende bringen würden. Und so lange die Baustelle da ist, würden wir auch gerne an diesem Ort bleiben.

Die Baustelle?

Ja genau, die Stuttgart 21 Baustelle, ein Jahrhundertprojekt, für uns ein großer Glücksfall. Wir beobachten das Geschehen um uns herum und wir sind Teil der Baustelle. Es hat direkte Auswirkung auf unser Programm. Die Sensibilisierung gegenüber Baustellen ist eng mit meiner künstlerischen Haltung verbunden. Ich interessiere mich für Zerstörung, städtischen Wandel und Archäologie. Für mich ist die Baustelle eine riesengroße Grabungsstätte bei der archäologische Funde auftauchen, aber auch neue entstehen. So eine Art Neuzeitarchäologie, die Fragestellungen zum städtischen Raum und Umraum thematisiert und sich mit aktuellen Konflikten und Phänomenen der Stadt beschäftigt.

Projektraum-Lotte.de

Fragen von Celina Müller und Sina Sikler

Freizeit-Angebote der Uni

Ein Studentenleben besteht nicht nur aus Vorlesungen. Mindestens genauso wichtig ist die Freizeit. Und wer nicht immer nur Party machen will, der findet auf dem Campus jede Menge kostenlose Freizeitangebote, wie das Beispiel der Hochschule der Medien (HdM) zeigt:

Brett vorm Kopf

Die Brettspielinitiative ist ein regelmäßiger Treffpunkt für Spiele-Fans. Mitmachen dürfen alle Hochschulangehörigen: Studierende, Mitarbeiter und Professoren. Gegründet wurde sie im November 2014 als Initiative der Verfassten Studierendenschaft an der HdM. Die Verfasste Studierendenschaft ist die Organisation aller Studenten.

Die Spielabende finden in der Semesterzeit jeden Donnerstag statt und werden regelmäßig von etwa 25 bis 30 Spielern besucht. Die Teilnahme ist kostenlos und es ist auch keine Anmeldung erforderlich.

Die Spieler können ihre Kräfte bei Brett-, Karten- und Rollenspielen aller Art messen. Besonders beliebt sind Spiele wie „Der eiserne Thron“, „Monopoly“, „Cash’n‘Guns“, „Pandemie“, „Stone Age“. Das Spielangebot umfasst mittlerweile rund 40 Spiele und wird dank den Zuschüssen der Verfassten Studierendenschaft (Ehemals: AstA) ständig erweitert.

Infos unter http://vs.hdm-stuttgart.de/mitmachen

Band

Die Band wurde im Jahre 2003 als „offenes Projekt“ gegründet. Seitdem kommt es in jedem Semester zu neuen Besetzungen. Jeder HdM-Hochschulangehörige und jeder Ehemalige kann kostenlos mitmachen.

Herzstück der HdM-Band ist ein Proberaum, der auch mit einiger Technik ausgestattet ist. Die Frage des Proberaums wird allerdings jedes Semester neu geklärt. Die Bands sollten das nötige Equipment, insbesondere Beschallungsanlage, Bühne und Licht selbst organisieren, aber für die Veranstaltungen an der HdM kann man auch Beschallungsanlage der Hochschule benutzen.

Zehn bis fünfzehn aktiven Bands mit etwa 150 Musikern treffen sich immer zu Semesterbeginn, um die Veranstaltungen im kommenden Semester zu planen und um sich mit anderen Musikern zusammenzufinden. Bei diesem Auftakt-Treffen bietet sich auch für alle Interessenten die Möglichkeit der HdM-Band beizutreten.

Infos unter http://vs.hdm-stuttgart.de/mitmachen

Hochschulzeitschrift

VielSeitig ist die studentische Hochschulzeitschrift der HdM. Jeder Studierende kann sich beteiligen. Voraussetzungen sind Engagement, Interesse für hochschulpolitische Themen und der Wunsch, sich in einem der folgenden Bereiche einzubringen: Organisation, Öffentlichkeitsarbeit, Journalismus, Fotografie, Akquise, Layout und Satz, Korrektorat und Lektorat, Druck und Weiterverarbeitung. Bei Interesse muss man eine Mail an die Zeitschriftenredaktion senden oder einfach bei einem der regulären Montagstreffen vorbeischauen.

Das Redaktionsteam besteht derzeit aus circa 30 engagierten Studierenden. Die HdM stellt ihnen das ganze professionelle Equipment, Material und Räumlichkeiten zur Verfügung. Die Zeitschrift erscheint einmal pro Semester und wird kostenlos an Studierende, Professoren, Mitarbeiter und Sponsoren der Hochschule der Medien verteilt.

Infos auf Facebook oder bei der HdM

Filmrausch

Der Filmrausch ist ein studentisches Projekt an der HdM, das jedes Semester für Hochschulangehörige ein anspruchsvolles Kinoprogramm auf die Beine stellt. Die Kinoabende finden immer mittwochs um 19.30 Uhr statt. Der Eintritt kostet einen Euro.

Alle Studierenden, die nicht nur als Besucher, sondern als aktive Teammitglieder dabei sein möchten, können einfach nach einer Vorstellung auf das Filmrausch-Team zukommen. Es wird sicherlich für jeden etwas dabei sein: Plakate gestalten, Filme bei Verleihern bestellen, Projektor bedienen, sich um die Finanzfragen kümmern, Verpflegung bestellen und verkaufen usw.

Infos unter http://vs.hdm-stuttgart.de/mitmachen

Theater

Das HdM-Theater hat zwei Gesichter: einmal das klassische Theaterensemble. Außerdem die unkonventionelle Improvisationstheatergruppe „Kanonenfutter“. 40 Studenten arbeiten ein ganzes Semester dafür, um an drei Abenden ein gelungenes Stück auf die Bühne zu bringen. Geprobt wird regelmäßig montags von 19.30 bis 21 Uhr und donnerstags ab 19.30 Uhr.

Menschen, die gerne an einer studentischen Bühnenproduktion mitarbeiten möchten, können sich hier in den Bereichen Bühnenbild, Requisite, Kostüme, Maske und Technik ausprobieren. Sowohl Externe als auch Studenten und Mitarbeiter der HdM sind willkommen.

Die beiden Theatergruppen werden von der Verfassten Studierendenschaft der Hochschule der Medien unterstützt.

Infos unter http://vs.hdm-stuttgart.de/mitmachen

Fernsehen

Stufe ist das Studentenfernsehen der Hochschule der Medien. Zwei Mal im Semester berichten engagierte Studierende in ihrer Sendung von aktuellen Themen rund um Studentenleben, Lifestyle, Musik, Kunst und Kultur, Sport und vieles mehr.

Jeder Studierende von der HdM hat die Möglichkeit, die Fernsehwelt praktisch auszuprobieren und kennenzulernen. Bei Stufe ist jeder willkommen, der Fernsehen machen möchte, egal ob mit oder ohne Erfahrung.

Ob Kamera, Moderation, Licht, Ton, Schnitt, Konzeption oder Regie, für jeden ist etwas dabei. Reinschnuppern kostet nichts. Das Stufe-Meeting findet jeden Mittwoch in der Mittagspause statt.

Infos unter stufe.tv

Radio

Horads 88,6 ist das Campusradio für die Region Stuttgart und Ludwigsburg. Es gibt allen im Hörfunk interessierten Studierenden in der Region Stuttgart die Möglichkeit, ihr eigenes journalistisches Programm zu gestalten.

Ausprobieren kann man sich in den Bereichen Technik, Webdesign, Online-Redaktion, Social Media und PR. Während des Semesters finden regulär vier- bzw. achtwöchigen Einstiegsrunden statt. Die Interessenten können sich dafür per E-Mail oder per Eintrag im Doodle des Campusradios anmelden. Außerdem bietet Horads die Möglichkeit, eine journalistische Grundausbildung im Rahmen einer Summer School zu bekommen.

Inhaltliche Schwerpunkte sind Themen, die Studierenden interessieren: News vom Campus und aus der Wissenschaft, sozialpolitische Themen, Kinotipps, Veranstaltungshinweise und Neuvorstellungen. Die Musikgattungen reichen von Pop, Electro, Hip-Hop, Indierock über DJ-Sounds bis hin zu experimentellen Tönen.

Infos unter horads.de

Hochschulsport

Hochschulsport bietet den Studierenden der Universität Stuttgart und der kooperierenden Stuttgarter Hochschulen ein vielfältiges und kostengünstiges Sport- und Bewegungsprogramm. Preise, Termine, Lagepläne der Sportstätten, sowie Kursbeschreibungen kann man auf der Webseite des Hochschulsports einsehen. »

Neben klassischen Sportarten wie Fußball, Volleyball oder Gerätturnen stehen vor allem gesundheitsorientierte Kurse wie Rückenfitness, Nordic Walking, Aerobic, Fitnessgymnastik oder Bodyfit auf dem Kursplan. Moderne Bewegungs- und Spielformen wie Yoga, Tai Chi, Lacrosse oder Ulitmate Frisbee und Exkursionen, etwa Drachenfliegen, Wellenreiten oder Ski- und Snowboardausfahrten haben ebenso ihren festen Platz im Programm.

Darüber hinaus unterstützt der Allgemeine Hochschulsport die Teilnahme an Deutschen oder Internationalen Hochschulmeisterschaften und bietet so die Möglichkeit, mit anderen Universitäten in Wettkampf zu treten. Die Hochschulsportangebote sind sowohl für die Einsteiger, als auch für die Profis geeignet.

Der durchschnittliche Preis für Studenten beläuft sich auf etwa 19 Euro für einen Kurs. Die Kursdauer beträgt in der Regel fünf bis sieben Monate und fällt ungefähr mit den Semesterzeiten zusammen. Eine Anmeldung ist erforderlich. Alle Kurse kann man, sofern sie nicht ausgebucht sind oder sonstigen Teilnahmebeschränkungen unterliegen, einmal kostenlos ausprobieren.

Texte und Fotos von Anne Kreuter, Regina Spangler und Laura Kibele